Gefühlskarten in der Schule

Gefühlskarten in der Schule

Ein Türöffner für echte Gespräche


Kinder und Jugendliche erleben im Schulalltag ein ständiges Wechselbad der Gefühle – von Freude über Frust bis hin zu Angst und Unsicherheit. Doch oft fehlen ihnen die richtigen Worte, um ihre Emotionen auszudrücken. Gefühlskarten können hier ein einfacher, aber wirkungsvoller Schlüssel sein, um Türen zu echten, tiefgehenden Gesprächen zu öffnen.

Viele junge Menschen fühlen sich im Klassenzimmer unsicher, weil sie nicht wissen, ob ihre Gefühle akzeptiert werden. Das führt dazu, dass Emotionen verdrängt oder soziale Rückzüge stattfinden. Wenn sie jedoch einen sicheren Raum haben, in dem sie sich ausdrücken können, blühen sie auf. Genau hier kommen Gefühlskarten ins Spiel. Sie sind mehr als nur ein Werkzeug – sie sind eine Brücke zu einem besseren Miteinander.

 

Was sind Gefühlskarten?

Ursprung und Entwicklung

Gefühlskarten wurden ursprünglich als Werkzeug in der Psychologie entwickelt, um Menschen zu helfen, ihre Emotionen zu benennen. Inzwischen werden sie in vielen Bereichen genutzt – von der Therapie bis hin zur Schule.

Die ersten Gefühlskarten entstanden aus der Erkenntnis, dass viele Menschen Mühe haben, ihre Emotionen klar zu benennen. Psycholog innen hat sie entwickelt, um Menschen zu helfen, sich selbst besser zu verstehen. Mit der Zeit erkannten Pädagogen innen das Potenzial dieser Karten für den Schulbereich. Kinder und Jugendliche können damit lernen, ihre Gefühle auszudrücken, ohne gleich in lange Erklärungen gehen zu müssen. Sie bieten einen niederschwelligen Einstieg, um über Emotionen zu sprechen – und genau das macht sie so wertvoll.

Wie funktionieren sie?

Jede Karte zeigt eine Emotion , entweder als Wort, als Bild oder beides kombiniert. Die Lernenden ziehen eine Karte und können darüber sprechen, wie sie sich fühlen oder was sie mit dieser Emotion verbinden.

Manche Karten enthalten Fragen wie: „Wann hast du dich das letzte Mal so gefühlt?“ oder „Was hilft dir, wenn du traurig bist?“. Andere zeigen nur Gesichter mit verschiedenen Emotionen, sodass sie intuitiv zugeordnet werden können. Das macht sie besonders vielseitig – sie können sowohl in Gruppen als auch individuell genutzt werden. Das Ziel ist nicht nur, über Gefühle zu sprechen, sondern sie auch bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren.

Unterschiedliche Arten von Karten

·        Bilderkarten: Emotionen werden durch Gesichtsausdrücke oder Szenen dargestellt.

·        Wortkarten: Begriffe wie „wütend“, „traurig“, „glücklich“ helfen beim Ausdruck.

·        Szenarien-Karten: Situationen wie „Ich habe eine schlechte Note bekommen“ helfen, Emotionen zuzuordnen.

Einige Karten sind besonders kreativ gestaltet und laden zum Nachdenken ein. Es gibt auch Karten, die mit Farben oder Symbolen arbeiten, um unterschiedliche Gefühlsintensitäten darzustellen. Dadurch werden sie für alle Altersgruppen nutzbar – von Kindern bis hin zu Jugendlichen und Erwachsenen.

 

Warum sind Gefühlskarten im Unterricht so wertvoll?

Förderung der emotionalen Intelligenz

Lernende entwickeln die Fähigkeit, ihre eigenen Gefühle besser zu verstehen und einzuordnen – eine wichtige Kompetenz für ihre persönliche Entwicklung.

Emotionale Intelligenz ist mindestens genauso wichtig wie Fachwissen. Menschen, die ihre Gefühle nicht benennen oder ausdrücken können, haben oft Schwierigkeiten, sich selbst zu regulieren. Gefühlskarten helfen dabei, Emotionen nicht nur zu erkennen, sondern auch angemessen darauf zu reagieren. Wenn jemand zum Beispiel frustriert ist, kann mithilfe der Karten herausgefunden werden, was genau belastet wurde und welche Strategien helfen könnten. Diese Fähigkeit begleitet Menschen ihr Leben lang und ist wesentlich für zwischenmenschliche Beziehungen.

Verbesserung der Klassengemeinschaft

Wenn alle über ihre Gefühle sprechen, entsteht mehr Verständnis füreinander. So werden Konflikte reduziert und die Klassendynamik gestärkt.

Oft entstehen Konflikte, weil Missverständnisse nicht rechtzeitig geklärt werden. Eine Person könnte sich zurückgezogen fühlen, weil sie glaubte, nicht verstanden zu werden. Durch Gefühlskarten lernen Schüler von innen, sich gegenseitig zuzuhören und Empathie zu zeigen. Sie erkennen, dass ihre Mitschüler innen ähnliche Sorgen oder Unsicherheiten haben. Das stärkt den Zusammenhalt und reduziert Streitigkeiten, weil alle sich schneller gegenseitig unterstützen.

Unterstützung bei Konflikten und Mobbing

Manchmal hilft es, Emotionen sichtbar zu machen, um Probleme in der Klasse rechtzeitig zu erkennen. Gefühlskarten bieten eine einfache Möglichkeit, sich mitzuteilen.

Mobbing beginnt oft schleichend, weil betroffene Personen sich nicht trauen, ihre Gefühle auszudrücken. Sie fürchten, dass niemand ihnen zuhört oder dass sie als schwach gelten. Gefühlskarten bieten eine sichere Möglichkeit, über belastende Situationen zu sprechen. Lehrpersonen können dadurch erkennen, wenn es Unstimmigkeiten gibt, und gezielt gegensteuern.

 

So können Lehrpersonen die Karten im Unterricht einsetzen

Morgenkreis oder Stimmungsbarometer

Zu Beginn des Tages zieht jede Person eine Karte oder wählt eine, die aktuelle Stimmung beschreibt. So bekommen Lehrpersonen einen schnellen Eindruck davon, wie es der Klasse geht.

Das kann helfen, den Unterricht an die aktuelle Stimmung der Lernenden anzupassen. Wenn viele Kinder und Jugendliche müde oder gestresst wirken, kann mit einer kurzen Atemübung oder einem entspannenden Einstieg gegensteuert werden. Ein bewusstes Wahrnehmen der Emotionen schon am Morgen schafft eine wertschätzende Atmosphäre.

Reflexionsrunden nach Gruppenarbeiten

Wie hat sich die Zusammenarbeit angefühlt? Welche Emotionen kamen auf? Durch die Karten fällt es dem Lernenden leichter, ehrliches Feedback zu geben.

Oft wird bei Gruppenarbeiten nur über das inhaltliche Ergebnis gesprochen. Doch mindestens genauso wichtig ist es, wie sich alle dabei gefühlt haben. Gab es Frustmomente? War jemand besonders hilfsbereit? Durch Gefühlskarten kann dies systematisch reflektiert werden.

Gefühlskarten für Pausengespräche

Manchmal fällt es schwer, nach einer Auseinandersetzung aufeinander zuzugehen. Eine Karte kann der erste Schritt zu einer Versöhnung sein.

Es gibt Kinder und Jugendliche, die nach einem Streit einfach nicht wissen, wie sie sich entschuldigen oder ein Gespräch beginnen sollen. Eine Karte mit „Ich bin traurig, weil...“ kann helfen, den ersten Schritt zu machen, ohne direkt sprechen zu müssen.

 

Kleine Karten mit größerer Wirkung

Gefühlskarten sind mehr als nur bunte Kärtchen – sie sind ein Werkzeug, das hilft, Emotionen bewusst wahrzunehmen und auszudrücken. Sie fördern nicht nur die Kommunikation im Klassenzimmer, sondern auch den respektvollen Umgang miteinander. Wer sie regelmäßig einsetzt, schafft eine Atmosphäre, in der echte Gespräche entstehen können.

Der Schulalltag wird oft von Leistungsdruck und Hektik bestimmt. Doch ein paar Minuten pro Tag, um über Gefühle zu sprechen, können einen großen Unterschied machen. Wer als Lehrperson oder Eltern Teil der emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen unterstützt, legt den Grundstein für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung.

 

Fragen die auftauchen könnten

1. Können Gefühlskarten wirklich die Klassengemeinschaft verbessern? Ja, sie helfen dabei, Verständnis für andere zu entwickeln und eine offene Kommunikation zu fördern.
 

2. Ab welchen Alter sind Gefühlskarten sinnvoll? Bereits im Kindergartenalter können einfache Karten genutzt werden. Ab der Grundschule sind sie besonders hilfreich.
 

3. Wie oft sollte man sie im Unterricht einsetzen? Das hängt von der Klasse ab – täglich im Morgenkreis oder wöchentlich als Reflexionsrunde ist ein guter Start.
 

4. Was tun, wenn Lernende ihre Gefühle nicht teilen wollen? Es ist wichtig, keinen Druck auszuüben. Manche Menschen brauchen mehr Zeit, um sich zu öffnen.
 

5. Gibt es Alternativen zu Gefühlskarten? Ja, Emotionstagebücher, Gefühlswürfel oder kreative Ausdrucksformen wie Malen können ebenfalls helfen.
 

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