Gefühlskarten als Teil des Teambuilding anwenden: Mehr Menschlichkeit im Arbeitsalltag
In der Arbeitswelt sprechen wir oft über Ziele, Prozesse und Effizienz, aber viel zu selten über Gefühle. Dabei entscheiden Emotionen täglich darüber, wie wir zusammenarbeiten: ob wir motiviert sind, ob Konflikte eskalieren oder ob ein Team wirklich zusammenwächst.
Gefühlskarten können hier als wirksames Werkzeug dienen. Sie bringen mehr Menschlichkeit in den Berufsalltag und fördern echtes Teambuilding, das über Kletterparks und Planspiele hinausgeht. Vor allem in der Führung lohnt sich der Blick auf emotionale Prozesse, denn wer Gefühle im Team versteht, führt mit mehr Klarheit und Vertrauen.
Warum auf den Gefühlstiere®-Karten kein Wort steht
Ein Punkt vorweg, weil er die ganze Anwendung prägt: Auf den Karten der Gefühlstiere® steht kein einziges Wort. Kein Gefühlsbegriff, kein Tiername. Kein Tier ist einem bestimmten Gefühl zugeordnet.
Im Team ist das der entscheidende Unterschied zu einem beschrifteten Set. Sobald auf einer Karte „Frust“ steht, wird aus der Wahl eine Zuordnung, und wer die Karte legt, hat sich damit festgelegt. Ohne Beschriftung bleibt die Bedeutung bei der Person, die wählt. Die Frage lautet nicht „Welche Karte trifft zu?“, sondern „Welches Tier passt gerade zu mir?“, und die Antwort darauf lässt sich nicht von aussen korrigieren.
Genau deshalb funktionieren die Karten auch in Runden, in denen sonst niemand als Erster etwas sagen würde.
Warum Emotionen auch im Team zählen
In Teams treffen unterschiedliche Persönlichkeiten, Werte und Arbeitsstile aufeinander, und damit auch ganz unterschiedliche emotionale Welten. Wenn diese nicht sichtbar oder ernst genommen werden, kommt es schnell zu Missverständnissen, Frust oder Rückzug.
Dabei ist emotionale Offenheit kein Zeichen von Schwäche, sondern von Reife. Sie schafft Vertrauen, stärkt die Kommunikation und verbessert die Zusammenarbeit. Genau hier setzen Gefühlskarten an: Sie geben Raum für echtes Zuhören, ehrliche Reflexion und ein wertschätzendes Miteinander.
Gefühlskarten im Teambuilding: So funktioniert es
1. Check-in mit Gefühl
Zum Start eines Meetings oder Workshops wählt jedes Teammitglied eine Karte, die zur eigenen Stimmung passt. Wer mag, sagt ein paar Worte dazu, muss aber nicht.
Wirkung: Der Einstieg wird menschlich, das Team fühlt sich gleich näher verbunden.
2. Gemeinsame Reflexion nach Projekten
Nach intensiven Phasen oder Konflikten können die Karten helfen, das Erlebte emotional zu reflektieren. Was hat mich gestresst? Wo war ich stolz?
Wirkung: Teams lernen, auch schwierige Gefühle anzusprechen, lösungsorientiert und ohne Schuldzuweisungen.
3. Wertschätzung zeigen mit Gefühlskarten
Jede Person wählt eine Karte für das, was ihr die Zusammenarbeit mit einer anderen Person im Team gegeben hat, und erzählt kurz dazu. Zum Beispiel: „Ich habe dieses Tier gewählt, weil mich deine Ruhe letzte Woche durch den Abgabetermin getragen hat.“
Wichtig ist die Richtung: Die Karte beschreibt das eigene Erleben, nicht das vermutete Gefühl der anderen Person. Fremdzuschreibungen kippen die Übung.
Wirkung: Die Stimmung wird positiv, Wertschätzung wird konkret spürbar.
Was Gefühlskarten in der Führung bewirken können
Führungspersonen, die sich mit Gefühlen im Team auseinandersetzen, schaffen ein Umfeld, in dem Menschen gerne arbeiten. Sie zeigen: Ich sehe dich als ganzen Menschen, nicht nur als Rolle oder Funktion.
Das heisst nicht, dass man ständig über Gefühle sprechen muss. Aber es bedeutet, sie zuzulassen, wenn sie auftauchen, und Werkzeuge wie Gefühlskarten zu nutzen, um den Austausch zu erleichtern. Das fördert Vertrauen, Respekt und langfristig eine gesunde Unternehmenskultur.
Tipps für den erfolgreichen Einsatz im Arbeitskontext
Freiwilligkeit respektieren: Niemand muss sich emotional „ausziehen“. Karten dürfen auch stumm gezeigt werden.
Zeit einplanen: Emotionale Übungen brauchen Raum, aber 5 Minuten können schon viel bewirken.
Keine Interpretation von aussen: Die Bedeutung der Karten ist persönlich. Was für eine Person „Wut“ heisst, kann für eine andere „Enttäuschung“ sein.
Nicht nachträglich beschriften: Die Versuchung ist gross, den Karten im Team feste Bedeutungen zu geben, damit alle dasselbe meinen. Damit fällt genau das weg, was die Methode ausmacht.
Wann sind Gefühlskarten besonders sinnvoll?
Bei neuen Teams oder nach Umstrukturierungen
In Konfliktsituationen oder nach anspruchsvollen Projekten
Als Teil von Retrospektiven oder Teamtagen
In Feedback-Gesprächen oder 1:1-Coachings
Weniger Rollen, mehr echtes Miteinander
In einer Zeit, in der viele von New Work und Teamspirit sprechen, braucht es mehr als schöne Worte. Es braucht echte Verbindung.
Gefühlskarten sind ein einfacher, aber wirksamer Weg, um Emotionen ins Gespräch zu bringen: ehrlich, respektvoll und auf Augenhöhe. Sie zeigen, dass hinter jeder Aufgabe ein Mensch steckt. Und wer diesen Menschen sieht, baut Teams, die mehr sind als die Summe ihrer Teile.
Denn darum geht es: Wir machen Gefühle sichtbar.
FAQ: Gefühlskarten im Team einsetzen
1. Ist das nicht zu „emotional“ für den Berufsalltag?
Nein. Teams profitieren davon, wenn auch emotionale Dynamiken Raum bekommen, professionell und klar moderiert.
2. Muss jedes Teammitglied mitmachen?
Freiwilligkeit ist wichtig. Wer nicht sprechen will, kann trotzdem zuhören oder stumm mitmachen.
3. Was tun, wenn jemand die Karten belächelt?
Humor ist okay. Mit klarer Haltung und dem Hinweis auf das Ziel, also Verständnis und Austausch, lässt sich meist schnell Ernsthaftigkeit gewinnen.
4. Wie lange dauert eine solche Übung?
Schon 5 bis 10 Minuten genügen für Check-ins oder kurze Reflexionen.
5. Welches Tier steht für welches Gefühl?
Keines. Die Karten sind unbeschriftet und keinem Gefühl zugeordnet. Was ein Tier bedeutet, entscheidet die Person, die es wählt.
6. Funktioniert das auch im Remote-Team?
Eingeschränkt. Sobald die Karten über einen Bildschirm laufen, geht verloren, was sie ausmacht: dass alle dasselbe vor sich auf dem Tisch sehen und eine Karte liegen bleiben kann. Für verteilte Teams lohnt es sich, die Kartenrunden auf die Tage zu legen, an denen ohnehin alle vor Ort sind.
Die textfreien Gefühlskarten von Gefühlstiere® werden in Teams, Intervisionen und Fallbesprechungen eingesetzt. Kauf auf Rechnung für Institutionen und Fachstellen ist möglich.
Simon Frey ist Schulsozialarbeiter (12+ Jahre Erfahrung) und Gründer von Gefühlstiere® | Denk-Frey-Raum, Wallenwil