Was sind Gefühle? Kindgerecht erklärt mit Gefühlstieren®

Gefühle sind wie Wetter im Bauch: mal Sonne, mal Gewitter. Erkläre Kindern, was Emotionen bedeuten und wie Gefühlstiere® dabei helfen – inkl. 3 Mini-Übungen.

Simon Frey

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2026

In 3 Minuten gelesen: Wie man Kindern zwischen 5 und 12 Jahren am besten erklärt, warum Gefühle wie ein inneres Wetter sind – und wie textfreie Bildkarten helfen können, dieses „Bauch-Wetter“ spielerisch sichtbar zu machen.

Warum überhaupt über Gefühle sprechen?

Ein Kind spürt ein Kribbeln im Bauch, weiss aber nicht, was es bedeutet. Ohne passende Wörter werden Sorgen oft laut, Wut explodiert oder Traurigkeit versteckt sich im Rückzug. Wenn Kinder lernen, ihre Gefühle aktiv zu erkennen und zu benennen, gewinnen sie wesentliche Grundlagen für ihre Entwicklung:

  • Selbstsicherheit – „Ich weiss genau, was gerade in mir los ist.“
  • Empathie – „Ich kann viel besser erkennen, wie es dir geht.“
  • Konfliktfähigkeit – „Ich kann streiten, ohne andere zu verletzen.“

Gefühle erklären: Das innere Wetter ⛅

Gefühle sind Zustände in Kopf und Körper, die sich mal angenehm (wie Sonnenschein) oder unangenehm (wie ein aufziehendes Gewitter) anfühlen können. Sie entstehen entweder durch äussere Reize (ein lautes Geräusch, ein Streit) oder durch innere Gedanken (die Vorfreude auf ein Fest) und zeigen sich ganz real im Körper: durch Herzklopfen, rote Wangen oder ein flaues Gefühl im Magen.

Wetterbild Gefühl Körper-Signal
☀️ Sonne Freude Lachen, ein warmes Gefühl in der Brust
⛈️ Gewitter Wut Hitze im Gesicht, geballte Fäuste
🌫️ Nebel Traurigkeit Schwere Schultern, leise Stimme
💨 Sturm Angst Flatternder Bauch, schneller Puls

Gefühle funktionieren wie ein Kompass und eine Warnlampe. Die Freude zeigt uns, was uns guttut und wovon wir mehr brauchen. Die Angst warnt uns instinktiv, wenn eine echte Gefahr droht.

Wozu das Ganze? – Die Aufgabe von Eltern & Fachpersonen

Um emotionale Kompetenz aufzubauen, braucht es die Begleitung durch Erwachsene. Drei Punkte sind hierbei im Alltag entscheidend:

  • Alle Gefühle akzeptieren – auch die unangenehmen. Sie sind wichtige Signale, keine Fehler.
  • Gefühle sprachlich spiegeln: „Ich sehe, du bist gerade traurig, weil der gebaute Turm umgefallen ist.“
  • Vorbild sein: Eigene Emotionen transparent machen und gesund regulieren („Ich atme gerade einmal tief durch, weil ich gestresst bin“).

„Ich bin okay, so wie ich bin – mit all meinen Gefühlen.“
Leitsatz aus dem Emotions-Coaching

Warum helfen Gefühlstiere® beim Verstehen?

Worte sind oft zu abstrakt, wenn das Gefühlschaos gross ist. Bildhafte Tiere schlagen hier eine Brücke.

Entscheidend ist dabei etwas, das leicht übersehen wird: Auf den Karten steht kein einziges Wort. Kein Gefühlsbegriff, kein Tiername. Kein Tier ist einem bestimmten Gefühl zugeordnet, und es gibt auch keine Auflösung, die das nachliefert. Genau darin unterscheiden sich die Gefühlstiere® von einem Emotionsposter.

Die Frage lautet deshalb nie „Welches Tier steht für Wut?“, sondern immer „Welches Tier passt gerade zu dir?“. Darauf gibt es keine falsche Antwort, und Kinder merken das sofort.

Situation Warum die offene Karte hilft
Einem Kind fehlen die Worte Es zeigt auf ein Bild, statt zuerst einen Begriff finden zu müssen.
Ein Kind schämt sich Es spricht über das Tier statt über sich. Diese Distanz schafft Sicherheit.
Zwei Kinder wählen dasselbe Tier Sie meinen oft Verschiedenes. Genau daran entsteht das Gespräch.
Ein Kind wählt etwas Überraschendes Das ist keine Fehlzuordnung, sondern eine Information.

Tiere sind ausserdem kulturneutral, erzeugen im Gegensatz zu Menschenbildern keinen sozialen Vergleich und brauchen keine Übersetzung. Ein Kind, das erst seit Kurzem Deutsch lernt, kann vom ersten Tag an mitmachen.

3 Mini-Übungen für Alltag & Unterricht (je unter 5 Min.)

  1. Der Wetterbericht aus der Tasche – Morgens eine Karte wählen und das aktuelle „Gefühlswetter“ kurz in der Runde ansagen. Wer nichts sagen mag, legt die Karte einfach hin.
  2. Wenn-Dann-Sätze bauen – Eine Karte wählen und den Satz vervollständigen: „Wenn Situation X passiert, dann fühle ich mich wie dieses Tier.“
  3. Gefühls-Geschichten – Eine Karte in die Mitte legen und erzählen, wann man sich zuletzt so gefühlt hat wie dieses Tier. Spannend wird es, wenn mehrere Kinder dasselbe Tier ganz unterschiedlich deuten.

Häufige Fragen zu Kindern und Emotionen

1. Haben Babys schon Gefühle?

Ja, absolut. Basisemotionen wie Freude, Ärger, Ekel und Angst sind evolutionär angeboren. Die passenden Worte und feinen Nuancen dafür lernen Kinder jedoch erst im Laufe der Jahre durch Begleitung.

2. Sind Gefühle und Gedanken dasselbe?

Nein. Gefühle entstehen primär im limbischen System (dem emotionalen Zentrum des Gehirns) und senden sofort körperliche Signale. Gedanken werden im Kortex verarbeitet. Beide Systeme beeinflussen sich im Alltag jedoch permanent gegenseitig.

3. Soll man „negative“ Gefühle verbieten?

Nein, niemals. Alle Gefühle haben eine Berechtigung und eine Schutzfunktion. Entscheidend ist nicht das Gefühl selbst, sondern wie wir schlussendlich damit handeln (z. B. wütend sein ist vollkommen erlaubt – andere schlagen hingegen nicht).

4. Welches Tier steht für welches Gefühl?

Keines. Die Karten sind bewusst unbeschriftet und keinem Gefühl zugeordnet. Was ein Tier bedeutet, entscheidet das Kind im Moment selbst, und genau diese Offenheit führt psychologisch weiter als ein aufgedruckter Begriff.

Denn darum geht es: Wir machen Gefühle sichtbar. Nicht wegregulieren, sondern greifbar machen, benennen und verstehen. Das ist der wichtigste Grundbaustein für eine gesunde Selbstregulation.

Die textfreien Gefühlstiere® Sets wurden speziell entwickelt, um Kindern einen unbeschwerten, visuellen Zugang zu ihrer eigenen Innenwelt zu ermöglichen. Perfekt für den Einsatz in Familien, Schulen und therapeutischen Praxen.

Passend dazu im Blog:

Simon Frey ist Schulsozialarbeiter (12+ Jahre Erfahrung) und Gründer von Gefühlstiere® | Denk-Frey-Raum, Wallenwil

DIE GEFÜHLSTIERE

Die passenden Gefühlskarten dazu